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      Rede des Herrn Ministerpräsidenten J. Maraite
      vor dem RDG vom 21.12.95

      Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen!


      mit dem heute zu verabschiedenden Haushalt 1996 setzt die Regierung ganz klar die wichtigsten Akzente einer weitsichtigen Sparpolitik.

      Der realistisch aufgestellte Einnahmenhaushalt fuBt auf Parametern, die uns vom nationalen Planbüro vorgegeben wurden, wobei die Inflationsrate mit 1,6% ganz sicher unterschätzt ist und die jetzigen Prognosen der Banken und Wirtschaftsplaner eher bei 2,2% bis 2,4% liegen.

      Sollte dem so sein, würde sich die Dotation um 15 bis 20 Millionen erhöhen.
      Das Bruttosozialprodukt spielt dabei eine zweitrangige Rolle, da nur die Hälfte der Dotation diesen Schwankungen unterliegt und im kommenden Jahr laut Finanzierungsgesetz nur 20% der Steigerung berücksichtigt werden.

      D.h., sollte wie Herr Evers meint, die Steigerung des BIP nicht 2,2%, sondern nur 1,8% sein, macht dieser Unterschied ganze 1,3 Mio. BF aus.

      Der Ausgabenhaushalt ist ein echter Sparhaushalt.
      Sparen heiBt nämlich nicht nur Geld auf die Hohe Kante legen, wie Herr Evers uns erklären möchte, sparen hat auch etwas mit Einsparungen zu tun und der vor uns liegende Haushalt enthält diese Einsparungen in allen Bereichen.
      In der allgemeinen Darstellung wird anhand von Vergleichen mit den Vorjahren optisch, in Form von Graphiken und Tabellen, verdeutlicht wo, wieviel eingespart wird.

      Die echten Sorgen bereiten uns die jährlich wiederkehrenden, sogenannten "laufenden Ausgaben".

      Die Steigerungen im Unterrichtswesen und im Ausbildungsbereich, in den Behinderteneinrichtungen und in den Kinderhäusern, die für sich alleine bei weitem die Steigerungen unserer Einnahmen übertreffen, zwingen uns, dringende MaBnahmen zu ergreifen, um die mittelfristige Finanzplanung der Deutschsprachigen Gemeinschaft weiterhin ausgeglichen zu gestalten.

      Die Vorgaben zwingen uns unabdingbar zu zwei einschneidenden MaBnahmen:

      1. die "jährlich laufenden Ausgaben" zu beschneiden um nicht in den Sog der unaufhaltsam erhöhten Funktionskosten zu geraten

      und

      2. die Verpflichtungsermächtigungen drastig zu senken, um im vernünftigem MaBe den Infrastrukturbereich in den Griff zu bekommen.

      Diese zwei grundsätzlichen MaBnahmen sind im Haushalt 1996 eingebaut und schaffen dadurch für die Zukunft neue Finanzspielräume.

      Sehr geehrter Herr Präsident,
      werte Kolleginnen und Kollegen,

      der Sport ist im Rahmen der diesjährigen Haushaltsberatungen nur wenig zur Sprache gekommen.

      Den Wortmeldungen der fünf Fraktionen konnte ich nur wenig Kritik und nur vereinzelte Vorschläge entnehmen, auf die ich jedoch kurz eingehen möchte.

      Ich kann Frau Schwall und Herrn Evers verstehen, daB sie, die in der kommunalen Verantwortung stehen, wenig Verständnis für die Streichung des Energiezuschusses aufbringen.
      Ich möchte jedoch betonen, daB keine andere Gemeinschaft unseres Landes den Gemeinden Energiezuschüsse für die Sportzentren gewährt.

      Deshalb möchte ich diese Kürzung in der Vorweihnachtszeit als die Streichung eines Geschenkes bezeichnen, das die Gemeinschaft den Gemeinden in den letzten Jahren gemacht hat.

      Ich bin jedoch der festen Überzeugung, daB Sie Lösungen finden werden, damit kein Badebesucher ins kalte Wasser springen muB
      und die Nutzer nicht, wie Frau Schwall meinte, eine Verdoppelung des Mietpreises hinnehmen müssen.

      Noch ein Wort zu den Ausführungen von Frau Schwall, die bemängelte, daB im Sportbereich nicht die rigorose Sparlinie von 10 Prozent verfolgt wurde.
      Entweder haben Sie den Haushalt nicht mit der nötigen Sorgfalt gelesen oder Sie wollen den Sportvereinen einfach noch weniger Mittel zugestehen.

      In den laufenden Ausgaben waren 1995 28,9 Millionen Franken eingetragen.
      Neben den 5,2 Millionen für Energiekosten, Sportlager und Spielplätze sparten wir noch weitere 2,9 Millionen in 13 anderen Zuweisungen ein, so daB wir schluBendlich an 20,8 Millionen gelangten, die für das Haushaltsjahr 1996 vorgesehen sind. Sie sehen: Wir haben also noch mehr als 10 Prozent gespart und unsere Hausaufgaben auch im Sport gemacht.

      Die Anregung von Herrn Grommes, ein System der Rückzahlung von Infrastrukturzuschüssen einzuführen, ist im Ansatz für den gewerblichen Bereich nicht falsch.

      Wer jedoch die finanzielle Situation in den meisten Vereinen kennt, der weiB nur zu gut, daB bereits ein enormer finanzieller und persönlicher Einsatz zahlreicher Vereinsmitglieder erforderlich ist, um überhaupt die 40 Prozent aus Eigenmitteln aufbringen zu können.

      Unsere Mitverantwortliche Frau Kirschfink will ein, ich zitiere: "Krösusgebarden" im Bereich der Infrastruktur festgestellt haben.
      Wie immer in diesem Fall, wenn Sie ein Beispiel für eine preisgünstige Infrastruktur suchen, führen Sie die neue Tribüne von FuBballErstprovinzialist Malmedy an, die sich nun wirklich nicht zum Vergleich eignet.

      Dank groBzügiger Gönner und vieler fleiBiger Hände konnten die Bau und Materialkosten auBerordentlich niedrig gehalten werden.
      Vielleicht ist Ihnen aber auch aufgefallen, daB man dort nach meinem Wissen bereits mit Feuchtigkeitsproblemen zu kämpfen hat.

      Ist das vielleicht die richtige Baupolitik?

      Inklusive Mwst. hat man in Malmedy übrigens 9,9 Millionen Franken investiert.

      Wären die Arbeiten wie bei Gemeindeprojekten üblich durch Unternehmer ausgeführt worden, so hätte sich der Preis dieses Objekts nach Schätzungen auf mehr oder weniger 18 Millionen Franken belaufen.

      Frau Meskens-Keller schlug eine Teilprivatisierung Worrikens vor. Die Idee ist nicht neu, Frau Meskens, und auch bereits von den Worriken-Verantwortlichen diskutiert worden.

      Solange jedoch die Situation zwischen der Französischen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft in bezug auf Worriken nicht endgültig geklärt ist, werden wir in punkto Teilprivatisierung keine weiteren Schritte unternehmen können.

      Sehr geehrter Herr Präsident,
      werte Kolleginnen und Kollegen,

      als Minister für Tourismus freut es mich natürlich ganz besonders, daB dieser Bereich als solcher so gut wie keinen AnlaB zu Kritik bot.

      Die Entwicklung der letzten Jahre scheint akzeptiert worden zu sein, einschlieBlich der sie begleitenden Politik, wobei ich Herrn Palm allerdings nicht folgen kann, wenn er meint, die Dinge sich von selbst entwickeln zu lassen.
      Dieses Laissez-faire kann wohl nicht der letzte SchluB Ihrer politischen Weisheit sein, Herr Kollege.
      Aber vielleicht kommen Sie über die vorgesehene Schaffung von kommunalen Dachverbänden noch auf den Geschmack.

      Wird nun der Tourismus als Ganzes in seiner Bedeutung für unsere Gemeinschaft anerkannt, hat man sich regelrecht auf die Vennbahn eingeschossen.

      Dabei ist ihre Attraktivität auBerhalb unserer Gemeinschaft ungebrochen. Bei 16.000 Fahrgästen pro Saison weist sie eine Auslastung von mehr als 80 Prozent auf.

      Im übrigen beinhaltet der Vertrag mit der GoE Vennbahn eine Dynamik, die gerade darauf hinausläuft, daB lediglich die Infrastruktur in Händen der Deutschsprachigen Gemeinschaft bleibt , schon aus Gründen der Verantwortlichkeit.
      In diesem Zusammenhang darf ich den Kollegen Palm dahingehend beruhigen, daB in Sourbrodt parallel zu Arbeiten der nationalen Eisenbahngesellschaft, für die Vennbahn lediglich zwei Weichen verlegt werden, damit der Zug dort wenden kann. Dafür stehen im übrigen INTERREGMittel in Aussicht.

      AuBer dem "Sorgenkind" Vennbahn ist insbesondere Herrn Palm auch das Verkehrsamt der Ostkantone ein Dorn im Auge.

      Zu meinem groBen Leidwesen muBten wir dem VAO schon in den letzten Jahren die Dotation kürzen.

      Wir wissen nun, Herr Palm, daB Sie nicht viel von Statistik halten. Aber wenn Sie meinen, die Touristen kämen von selbst, sollten Sie die folgende einfache Rechnung machen:

      Von 1982 bis 1986 wuchsen die touristischen Übernachtungszahlen in den neun deutschsprachigen Gemeinschaft um bescheidene 986 Einheiten.

      Nach Gründung des Verkehrsamtes und dank seiner Arbeit kletterten sie innerhalb weniger Jahre um ihr Dreifaches auf über 500.000 alleine für die Deutschsprachige Gmeinschaft!

      Jetzt sind Sie dran!
      Weniger auf das Verkehrsamt, dafür umso mehr auf das Umweltamt schimpft Kollege Lambert Jaegers. Mit Verblüffung habe ich seinen Vorschlag zur Kenntnis genommen, die dafür vorgesehenen Mittel gänzlich zu streichen.

      Hier stelle ich mir doch die Frage, ob Sie nicht etwa "seekrank" geworden sind. Es muss ja nicht gleich ein "ökologisches Traumschiff Umweltamt" sein, das Sie seit Jahren fordern, es geht auch unbürokratischer und preiswerter.

      Die Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Mittel wurden bisher für eine Fülle von Umwelt und Naturschutzaktivitäten nutzbringend eingesetzt.
      Hunderte Initiativen von Gemeinden, Schulen und Verbänden konnten in den letzten Jahren mitkonzipiert, begleitet und zum Teil mitfinanziert werden.
      Dies geschah und geschieht selbstverständlich in Absprache und in Zusammenarbeit mit der für den Umweltschutz zuständigen Wallonischen Region.
      Dies sollte auch künftig so praktiziert werden.

      Schwerpunktmässig, und da dieser Haushaltsposten im Bereich Tourismus angesiedelt ist, wurden die Mittel vor allem für die Umsetzung unseres Konzeptes für einen umwelt und sozialverträglichen Tourismus eingesetzt.

      Die Tatsache, dass Ostbelgien in diesem Jahr als nationaler Preisträger für den "Grossen Europäischen Preis für Tourismus und Umwelt" ausgezeichnet wurde, dürfte wohl eine Anerkennung auf höchster Ebene sein.
      Ihre wenig konstruktive Einstellung zu den bisherigen UmweltmaBnahmen der Regierung zeigt eigentlich, daB es den Ökoparteien in Wirklichkeit gar nicht so sehr um den Umweltschutz geht.
      Ähnlich wie in anderen Ländern und Regionen, haben die Grünen dieses wichtige Betätigungsfeld, das offensichtlich die sogenannten traditionellen Parteien mittlerweile besser beackern können als Sie, weitestgehend aufgegeben.

      Sehr geehrter Herr Kollege Jaegers,
      natürlich habe ich nicht den Lobgesang Ihrer Fraktion auf die bisherigen umweltpolitischen Akzente der Regierung erwartet.
      Aber ich denke, dass meine Kollegen und ich in den letzten Jahren konsequent Umweltverantwortung übernommen haben: im Rahmen unserer Zuständigkeiten und oft selbst darüber hinaus.

      Wir wollen jedenfalls kein Öko-Paradies in einer ökonomischen Wüste, aber genauso wenig eine ökologische Wüste in einem wirtschaftlichen Paradies.

      Eine konstruktive, machbare Umweltpolitik setzt deshalb Sachverstand und vor allem Konsensfähigkeit voraus.

      Ich bin überzeugt, daB sich die Deutschsprachige Gemeinschaft auf dem richtigen Wege befindet.
      Diesen Weg zum Schutze unserer natürlichen Ressourcen sollten wir alle gemeinsam gehen.
      Wenn Ihre Fraktion das anders sieht, müssen Sie sich nicht wundern, wenn Sie sich eines Tages auf der roten Liste der bedrohten Arten wiederfinden.

      Auf die Bereiche Familie, Senioren und Gesundheit bin ich bereist am Montag in der gebotenen Ausführlichkeit eingegangen.

      Es freut mich, daB alle Fraktionen in diesem Hause mit uns einverstanden sind, daB SparmaBnahmen hier besonders vorsichtig angegangen werden müssen,
      obwohl sicherlich auch Familien- und Gesundheitspolitik die Kunst des Machbaren und Bezahlbaren ist sich an den realen Bedürfnissen der Menschen orientieren muB.

      Selbst Herr Jaegers,
      dessen Aufgabe als Oppositionspolitiker es ist, "den Finger in Wunden zu legen", wie er selbst sagt, fand lediglich Kratzer und Schürfwunden und stellte verschiedenen Projekten sogar das Prädikat "GUT" aus.

      Mit ihm teile ich die Sorge um zunehmende Ausgrenzung eines Teils der Gesellschaft.
      Der Armutsbericht hat gezeigt, daB dieses Phänomen viele Ursachen hat und daher ressortübergreifend anzugehen ist.
      Von Armut ist meistens dann die Rede, wenn mehrere Probleme zusammenkommen:
      deshalb ist bei unseren sozialen Dienstleistungen in der Tat genau abzuwägen, was zumutbar ist und was für bestimmte Bevölkerungsgruppen bereits nicht mehr verkraftbar ist.
      Hier setzt auch die Diskussion über die NutznieBerbeiträge an.
      Ich versuche, dies einmal innerhalb meiner Zuständigkeiten anhand von drei Beispielen zu verdeutlichen:
      1) Beim Tagesmütterdienst schwankt der NutznieBerbeitrag je nach Einkommen der Eltern zwischen 52 BF und 604 BF pro Tag.

      2) Beim Familienhilfsdienst bezahlt man je nach Einkommensklasse zwischen 58 BF und 345 BF pro Stunde.
      In einem Fünfpersonenhaushalt beläuft sich der Höchstbetrag auf 300 BF.

      3) Wer Existenzminimum oder das Mindesteinkommen für Betagte bezieht und die Dienste der SOS-Selbsthilfe in Anspruch nimmt,
      bezahlt 50 BF pro Stunde,
      wer VIPO-Empfänger ist 110 BF pro Stunde,
      für andere Personen mit bescheidenem Einkommen beträgt die Eigenbeteiligung 250 BF.

      Von "Schlaraffenland" kann keine Rede sein, denn wer nur 50 BF pro Stunde bezahlt, muB mit sehr bescheidenen Mitteln auskommen, so daB für ihn auch dieser kleine Betrag eine ebenso hohe Belastung darstellt wie für andere 300 oder sogar 500 BF pro Stunde.
      Hier müssen wir dafür sorgen, daB die Menschen, die es schon schwer haben über die Runden zu kommen, auch mit ihrem Einkommen auskommen können.

      Es darf in der Tat nicht soweit kommen, daB bestimmte Einkommensgruppen beispielsweise die ärztliche Grundversorgung aus finanziellen Gründen nicht mehr in Anspruch nehmen können.
      Wir werden auch als Gemeinschaft daher die anstehende Reform der Sozialversicherung genauestens verfolgen müssen.

      Auch wenn die professionellen Dienste teuer sind so führt kein Weg an gut organisierten und an konkreten Bedürfnissen ausgerichteten Diensten vorbei.
      Und diese Dienste sind als solche auch nicht gefährdet, wenn zunehmend Ehrenamtliche komplementär durch ihr soziales Ehrenamt eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft einnehmen.

      Noch am 5. Dezember wurde beim ersten "Tag des Ehrenamtes" klargestellt, daB sich Ehren- und Hauptamtlichkeit sehr gut ergänzen können. Daher werden wir auch in Zeiten des Sparens die bescheidenen Mittel gerne bereitstellen, die den vielen ehrenamtlichen Helfern die Strukturen geben, die ihr Engagement oft überhaupt erst ermöglichen.

      Neben der Rundumversorgung im Altenheim scheint die häusliche Versorgung parteiübergreifend als wichtige Säule zum Erhalt der Selbständigkeit im Alter anerkannt.

      Nicht aus dem Auge verlieren dürfen wir die Notwendigkeit abgestufter, teilstationärer Betreuungsangebote.

      Nachdem aber noch bei der vorigen Haushaltsdebatte kritisch hinterfragt wurde, ob wir denn nach all dem Bauen nicht zu viele Alten und Pflegebetten hätten, erübrigt sich diese Frage mittlerweile:
      alle Betten sind belegt und es gibt schon wieder Wartelisten.

      Im Zusammenhang mit den Alten- und Pflegeheimen trägt die Gemeinschaft übrigens, so gut sie kann, zur Kostendämpfung bei, wobei der Spielraum allerdings gering ist und die Einrichtungsträger bzw. die Trägergemeinden ihren Teil der Verantwortung übernehmen müssen.

      Die Deutschsprachige Gemeinschaft verfügt derzeit über 550 Altenheimbetten und über 155 Pflegebetten. Obwohl die Deutschsprachige Gemeinschaft über die uns zustehende Anzahl Pflegebetten verfügt, genügt diese Anzahl dennoch nicht, um alle Höchstpflegebedürftigen darin aufzunehmen.

      Derzeit liegen in unseren Heimen 89 C-Fälle, d.h. Schwerpflegebedürftige in Altenheimbetten, sogenannten MR-Betten, für die vom Landesamt für Kranken und Invalidenversicherung weitaus geringere Pauschalbeträge an die Einrichtungen gezahlt werden.

      Wie bereits bei der Haushaltsvorstellung mitgeteilt, laufen aber derzeit Diskussionen auf föderaler Ebene hinsichtlich einer besseren Rückvergütung für C-Fälle in Altenheimbetten, Entscheidungen, die auch von unseren Einrichtungen sehnlichst erwartet werden.

      Der Bitte von Frau Schwall, die anstehenden Reformen, sowohl was die Reduzierung der Krankenhausbetten, als auch die anstehenden Strukturreformen als auch die Neufinanzierung der Alten und Pflegebetten betrifft, im AusschuB IV zu besprechen, komme ich selbstverständlich gerne entgegen.
      Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist in den diesbezüglichen Verhandlungen bestens vertreten und ich möchte an dieser Stelle unterstreichen, daB sie sich auch bei eventuellen Abänderungen der Normen darauf einläBt, daB ihre beiden Krankenhäuser lebensfähig erhalten bleiben.

      Es hat mich gefreut zu erfahren, daB die Gemeinden Eupen, Raeren und gestern abend noch Lontzen bereits ihre Garantieübernahme für den nicht bezuschuBten Teil des Ausbaus des Sankt Nikolaus Hospitals übernommen haben, so wie dies bereits vor den Gemeinderatswahlen auch in den südlichen Gemeinden geschehen war.
      Diese Solidaritätsbekundung der Gemeinden mit den Krankenhäusern Eupen und Sankt Vith zeigt deutlich, daB sich die Gemeinden dieser ärztlichen Grundversorgung sehr verbunden fühlen.

      Solidarität muB in einer kleinen Gemeinschaft wie der unseren aber auch zwischen unseren beiden Krankenhäusern bestehen.

      Die Realisierung dieses wichtigen Meilensteins, wie Herr Evers den Hospitalausbau richtig nannte, der auch die Zustimmung aller Fraktionen erhielt, kann nur im SchulterschluB von Gemeinschaft, Gemeinden und Träger der Krankenhäuser erfolgen.

      Ich kann Dr. Keutgen nur beipflichten, daB die Krankenhausprojekte dringend angesagt sind, um die räumliche Enge und die Anpassung
      an heutige Ansprüche zu verbessern.
      Dies sind Voraussetzungen, damit die Dienste, die Ärzte und das gesamte Krankenhauspersonal auch weiterhin ihre Arbeit leisten können.

      550 Millionen sind im Fonds für Krankenhäuser und soziomedizinische Einrichtungen für die nächsten Jahre vorgesehen, dies gröBtenteils für den Ausbau der Krankenhäuser, die ihr Gesicht stark verändern werden.

      Um in diesem Zusammenhang auf die Frage von Herrn Evers zurückzukommen, möchte ich klarstellen, daB der Krankenhausbaufonds am 31. Dezember 1995 voraussichtlich über ein Saldo von 9 Millionen verfügen wird.
      Gespeist wird er 1996 aus der Dotation mit 45 Mio. BF, d.h. es sind 54 Millionen an Auszahlungskrediten für alte oder neue Verpflichtungen enthalten.

      In Artikel 15 des Dekretes des Ausgabenhaushalts 1996 stehen 50 Millionen an möglichen Verpflichtungen für neue Vorhaben bzw. Zusagen der Regierung.
      Den von Frau Schwall im Namen von Dr. Scholzen ausgesprochenen Appell, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, damit auch der Notarztdienst in den nördlichen Gemeinden endlich starten könne, nehme ich sehr ernst,
      da auch mir ein solcher lebensrettender Dienst sehr am Herzen liegt.
      Über jedes persönliche Engagement hinaus gibt es aber einen gesetzlichen Rahmen, der für alle Partner in der Notfallversorgung bindend ist.
      Der Notarztdienst ist Teil der Notaufnahme und somit des Krankenhauses.
      Die Entscheidung und auch die Verantwortung hinsichtlich des Notarztdienstes liegt daher in erster Linie beim Krankenhaus, das meines Wissens auch gewillt ist, diese wichtige Funktion wahrzunehmen, und alles daran setzt, so schnell wie möglich die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen.

      Verschiedentlich und nicht nur im Rahmen von Organisationsbereich 50 wurde auch die Kleinkindbetreuung angesprochen, insbesondere durch die Erhöhung der Zulassung zum Kindergarten von 2,5 auf 3 Jahre.
      Herr Pons hat bereits das Aufnahmealter im Kindergarten in einem europäischen Kontext dargelegt und zu Recht festgestellt, daB Belgien trotz Erhöhung des Aufnahmealters immer noch - ich zitiere Herrn Pons - "spitze ist". Und ich bezweifele zudem, daB Zweieinhalbjährige ihren idealen Platz in schulähnlichen Strukturen haben.

      GewiB gibt es noch Bedarf in der Betreuung beim Tagesmütterdienst bzw. in der Krippe oder in der auBerschulischen Betreuung.

      Schon am Montag habe ich anklingen lassen, daB die Anzahl Tagesmütter von 75 auf 85 augestockt werde, was etwa 30 zusätzlichen Kindern eine Betreuung ermöglicht.
      Zu den Aussagen von Frau Schöffers und Frau Peters-Schwall hinsichtlich dieser Thematik möchte ich doch folgendes klarstellen:

      Die Regierung hat bereits gute Rahmenbedingungen geschaffen in der Kleinkindbetreuung, um Kinder bis zu 3 Jahren aufzunehmen .
      So bleiben Kinder, deren Eltern berufstätig sind, meist ohnehin bis zum 3. Lebensjahr in der Obhut der Tagesmutter.
      Auch können die Betreuungskosten bis zu 80 % von den Steuern abgezogen werden, es ist demnach nicht korrekt von einer Bestrafung berufstätiger Eltern, bzw. berufstätiger Mütter zu sprechen.

      Zudem ist die Deutschsprachige Gemeinschaft die einzige Gemeinschaft in Belgien, die eine Ausdehnung des Betreuungsalters beim Regionalzentrum bis 7 Jahre genehmigt hat.
      Die Betreuung der 3 bis 7jährigen wird vor allem an Mittwochnachmittagen, an schulfreien Tagen sowie nach SchulschluB genutzt.
      Immerhin investiert die Deutschsprachige Gemeinschaft 13 Milionen in die Kleinkindbetreuung, was nicht unbeträchtlich ist.

      Sehr geehrter Herr Präsident,
      erlauben Sie mir zum AbschluB noch einige grundsätzliche Bemerkungen, nicht als altkluger Lehrmeister oder mit dem moralischen Zeigefinger, aber in ernster Besorgnis über eine um sich greifende Öberflächlichkeit.

      In der parlamentarischen Demokratie ist die Haushaltsdebatte traditionsgemäB "der" groBe Schlagabtausch zwischen Regierung und Opposition, und es entspricht sicherlich der politischen Kultur in der Deutschsprachigen Gemeinschaft,
      daB hier vor dem groBen Forum unserer Bevölkerung mit viel Engagement, Verve und Emotion um den besten Weg der politischen Gestaltung gestritten wird.

      Wahre Streitkultur setzt jedoch auf die Effizienz sachlicher Argumentation und ist stets darauf bedacht, den emotionalen Bogen nicht zu überspannen.

      Wenn diese viertägige Debatte uns allen hilft, Verständnis für die Standpunkte der Gegenseite aufzubringen und die gemeinsame Verantwortung für die Menschen hierzulande zu schärfen, dann war es keine vergebliche Mühe, hier so lange, so spät auszuharren und jedem sein Recht auf Rede und Gegenrede zu gewähren.

      Dabei wird es, wenn wir nach den Feiertagen wieder an die Arbeit gehen, unverzichtbar sein, die zahlenmäBige Begrenztheit unserer Gemeinschaft mehr denn je zu beherzigen.

      Wir haben es einander in vielen Reden wiederholt vorgesagt,
      daB wir keine Insel sind,
      daB wir nicht den Nabel der Welt zieren,
      daB bei uns jeder jeden kennt,
      doch frage ich mich manchmal ernsthaft, ob wir denn auch dieses Selbstverständliche tatsächlich beherzigt haben.

      Die unmittelbare Konsequenz, die sich nämlich aus dieser evidenten Situation eines sehr kleinen Bausteins im belgischen Föderalgefüge ergibt, ist eine verläBliche Solidarität, die uns da zusammenführen und zusammenschweiBen kann, wo die anderen noch ihre Kontroversen austragen.

      Wenn wir uns den Luxus leisten, durch überzogene Kritik, Häme und Sarkasmus, an unseren jungen Institutionen zu rütteln, werden diese auf Dauer Erschütterungen ausgesetzt, die sie nur schwer überstehen.

      Es geht um den Respekt der GröBenordnungen, um gesundes Urteilsvermögen.

      Die Regierung ist bereit, im Sinne des Dialogs mit dem Bürger weiterhin die Konzertierung mit den Sozialpartnern und allen Betroffenen zu suchen, selbstverständlich vor dem Hintergrund der abgesteckten Haushaltsmöglichkeiten

      Ich danke Ihnen.


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