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Politik
Lernen und
Arbeiten in der Informationsgesellschaft
Zwischenbericht der Regierung über die Möglichkeiten
des Internet in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 13. Mai 1997
Karl -Heinz Lambertz Minister für Jugend, Ausbildung, Medien
und Soziales
1. Einleitung
Es muß zur Zeit davon ausgegangen
werden, daß die Verknüpfung zwischen digitalisiertem Bild und Ton,
elektronischer Datenverarbeitung und moderner Telekommunikation und die sich
daraus ergebenden Möglichkeiten in den kommenden Jahren progressiv weite
Bereiche des gesellschaftlichen Lebens prägen werden. Von daher sind a
priori alle Lebensbereiche von der Entwicklung der Informationsgesellschaft
betroffen, und jeder wird über kurz oder lang mit der Frage konfrontiert
werden, wie er sich optimal auf die anstehenden Umwälzungen vorbereiten
kann. Die sich abzeichnende Entwicklung kann von der Politik nur bedingt
beeinflußt werden, da sie sich weltweit und mit rasanter Geschwindigkeit
vollzieht. Dennoch müssen auch auf dem Weg in die Informationsgesellschaft
Rahmenbedingungen festgelegt werden, um eine optimale Nutzung der neuen
technischen Möglichkeiten durch alle Bürger zu ermöglichen.
Aufgrund ihrer hoheitlichen Zuständigkeit in zahlreichen Bereichen, die von
dieser Entwicklung betroffen sind, steht hier auch die Deutschsprachige
Gemeinschaft in der Verantwortung. Die Zuständigkeitsbereiche, in denen
kurz- bis mittelfristig eine aktive Politik der Gemeinschaft gefordert ist,
ergeben sich aus der Frage nach den Aufgaben und Zielen der Gemeinschaft im
Zusammenhang mit der Informationsgesellschaft. Die Regierung sieht diese
Aufgaben folgendermaßen :
Gewährleistung eines demokratischen
Zugangs zum Wissen Der Zugang zum Wissen muß auch dann noch für
alle gewährleistet sein, wenn dieses Wissen nicht mehr in
herkömmlicher Form gespeichert ist. Weder eine mangelnde technische
Ausrüstung noch finanzielle Gründe dürfen dazu führen,
daß dem Bürger der Zugang zu Informationen verwehrt bleibt.
Ähnlich wie die Einrichtung eines flächendeckenden Bibliotheksnetzes
zu Beginn dieses Jahrhunderts zur Demokratisierung des Buches führte,
muß durch die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur der Zugang zu
den elektronischen Medien für alle ermöglicht werden. Hier ist die
Gemeinschaft gefordert.
Optimierung des Zugangs zu den Datenautobahnen Für eine
professionnelle Nutzung der neuen Medien ist ein optimaler Zugang zu den
Datenautobahnen eine wichtige Voraussetzung. Bei Entscheidungen über die
künftige Konfiguration der Netze muß die Gemeinschaft deshalb
konsequent ihre Interessen vertreten. Diese Entscheidungen liegen
außerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Gemeinschaft und
können deshalb nur durch entsprechende Kontakte mit dem Föderalstaat,
der Wallonischen Region, den Netzbetreibern sowie Partnern innerhalb der Euregio
Maas-Rhein beeinflußt werden.
Vorbereitung der Bürgerinnen und Bürger auf den kritischen Umgang
mit neuen Medien und neuen Diensten
Die Bereitstellung technischer
Möglichkeiten dürfte bei weitem nicht ausreichen, um breiten
Bevölkerungsschichten den Zugang zu den neuen Medien und neuen Diensten zu
ermöglichen. Eine umfangreiche Informations-, Sensibilisierungs- und
Ausbildungsaktivität wird nötig sein, um möglichst viele
Bürger in die Lage zu versetzen, dieses neue Angebot sinnvoll und kritisch
zu nutzen. Im Unterrichtswesen, in der beruflichen Aus-und Weiterbildung, in der
Jugendarbeit und in der Volks- und Erwachsenenbildung muß diesem Bedarf
Rechnung getragen werden.
Nutzung der neuen Medien zur besseren Information
über die Gemeinschaft Die neuen elektronischen Medien sollen dazu
genutzt werden, über die verschiedenen Aspekte der Gemeinschaft zu
informieren. Hierbei ist nicht nur an eine institutionnelle
Kommunikation gedacht, sondern an eine kohärente Darstellung
der Gemeinschaft unter historischen, wirtschaftlichen, sozialen,
kulturellen und politischen Aspekten. Darüber hinaus
sollen mit Hilfe der neuen Medien Information und Dienstleistungen für den Bürger der Gemeinschaft bereitgehalten werden.
Schutz der Jugend vor mißbräuchlicher Nutzung der neuen Medien
Sicherster Schutz der Jugend gegen eine mißbräuchliche Nutzung ist
sicher die Erziehung zu einem kritischen Umgang mit den neuen Medien.
Darüberhinaus ist zu prüfen, ob die Gemeinschaft auf Basis ihrer
Zuständigkeit im Bereich Medien reglementierend eingreifen soll, um
bestimmte Inhalte auf den Netzen zu verbieten.
Ausbau des Medienstandortes Ostbelgien Der Einsatz neuer Medien, vor allem in der Aus- und
Weiterbildung, ist einer der Wachstumsmärkte der Zukunft. Ziel muß es
sein, die eigene Zuständigkeit in den Bereichen Medien sowie Aus- und
Weiterbildung, gekoppelt mit der Grenzlage Ostbelgiens und der Mehrsprachigkeit
der Bevölkerung, zu einem wirtschaftlichen Trumpf zu machen und Ostbelgien
zu einem Medienstandort zu entwickeln. Bereits heute sind zukunftsorientierte
Betriebe wie euregio.net
oder Media-Waimes in diesem Sektor tätig. Die
Ostbelgieninvest und die Wirtschaftsfördergesellschaft werden bei der
Ansiedlung weiterer Firmen eine wichtige Rolle spielen. Um den oben
geschilderten Herausforderungen begegnen zu können, hat die Regierung im
Rahmen ihrer strategischen Zusammenarbeit mit Belgacom die Möglichkeiten
des Internet in der Deutschsprachigen Gemeinschaft näher untersucht. Dabei
wurden auf Ebene einer gemischten Arbietsgruppe drei konkrete Projekte auf ihre
Machbarkeit überprüft :
Im Folgenden werden für diese Projekte, die sowohl den
Ausbau des Internet als auch den Aufbau und das Vermitteln entsprechender
Medienkompetenz in der Gemeinschaft beinhalten, erste Ergebnisse vorgestellt.
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